Amtsdeutsch? Lass dir Briefe von der KI erklären

Neulich lag wieder so ein Brief auf meinem Küchentisch. Von der Versicherung. Drei Seiten, Sätze so lang wie die Schlange an der Supermarktkasse am Samstagvormittag, und Wörter wie „Obliegenheitsverletzung". Ich habe den Brief dreimal gelesen. Danach wusste ich weniger als vorher.
Also habe ich meinen Enkel Felix angerufen. Felix weiß ja alles. Er hat nur nie Zeit. „Hier ist Felix, bin grad im Stress …" Mailbox. Ich glaube, die Mailbox kennt mich inzwischen besser als Felix.
Da habe ich gedacht: Na gut, Erla, dann fragst du eben die KI. Nach zwei Minuten hatte ich die Antwort, in ganz normalem Deutsch. Ich habe mir in Ruhe einen Kaffee gekocht. Als Felix drei Stunden später zurückgerufen hat, war der Kaffee getrunken und die Sache längst erledigt.
Wie das geht, zeige ich dir hier.
Was die KI dabei für dich tut
Eine KI wie ChatGPT, Gemini oder Vibe (früher Le Chat) ist wie eine geduldige Helferin, die Behördendeutsch in normale Sprache bringt. Du gibst ihr den Text, und sie erklärt dir:
- worum es in dem Brief geht,
- ob du etwas tun musst,
- und bis wann.
Das klappt bei Versicherungsbriefen, Bescheiden vom Amt, Nebenkostenabrechnungen oder Beipackzetteln. Also bei allem, was offenbar extra so geschrieben wurde, dass es keiner versteht.
Ganz wichtig: Persönliche Daten bleiben bei dir!
Jetzt wird es ernst, und da mache ich auch keine Späße. Bevor du irgendetwas an die KI gibst, lässt du alles weg, was nur dich betrifft:
- deinen Namen und deine Adresse,
- deine Versicherungsnummer, Kundennummer oder Aktenzeichen,
- dein Geburtsdatum,
- Kontonummer, IBAN und Unterschrift.
Die KI braucht das nicht, um dir den Brief zu erklären. Und was du nicht eintippst, kann auch nirgendwo landen, wo es nicht hingehört.
So gehst du Schritt für Schritt vor
- KI-App öffnen. Zum Beispiel ChatGPT, Gemini oder Vibe auf dem Handy, Tablet oder Computer.
- Persönliche Daten weglassen. Abdecken oder beim Abtippen einfach überspringen.
- Text eingeben oder Foto hochladen. Nur den Teil, den du nicht verstehst. Bei manchen Briefen ist das zugegeben der ganze Brief.
- Deine Bitte dazuschreiben. Zum Beispiel: „Erklär mir diesen Brief in einfachen Worten. Muss ich etwas tun, und bis wann?"
- Nachfragen, wenn etwas unklar ist. Die KI wird nicht ungeduldig, seufzt nicht und sagt nie „Oma, das hab ich dir doch schon erklärt". Du kannst zehnmal fragen: „Was heißt das genau?"
Die KI erklärt, entscheiden tust du
Mein Freund Otto hat natürlich sofort die Augenbraue hochgezogen: „Und wenn die KI Quatsch erzählt?" Da hat er ausnahmsweise mal recht. Die KI ist eine prima Unterstützung, aber sie kann sich auch irren. Deshalb gilt:
- Geht es um Geld, Fristen oder Verträge, ruf im Zweifel bei der Versicherung oder dem Amt an und lass dir die Sache bestätigen.
- Unterschreib nichts und überweis nichts, nur weil die KI es sagt.
- Kommt dir ein Brief komisch vor, zum Beispiel mit Drohungen oder einer fremden Kontonummer, dann frag lieber einen Menschen, dem du vertraust.
Mein Fazit
Ich muss jetzt nicht mehr warten, bis Felix mal Zeit hat. Beim Rückruf war er übrigens fast ein bisschen beleidigt, dass ich ihn nicht mehr gebraucht habe. Ich habe ihn getröstet: Für den Weihnachtsbraten braucht die Oma ihn noch. Den kann die KI nämlich nicht essen. 😉
Probier es beim nächsten Brief einfach mal aus. Aber denk dran: Name, Adresse und Nummern bleiben bei dir!
