WhatsApp-Konto übernommen? So schützt du dich

Meine Nachbarin Lisa hat mir neulich erzählt, dass sie eine merkwürdige Nachricht bekommen hat, angeblich von ihrem alten Bekannten Karl aus dem Kegelclub. Ein Link zu einer Umfrage. Das passte gar nicht zu Karl, der schreibt sonst höchstens mal, wann das nächste Treffen ist, und auch das meist mit drei Ausrufezeichen. Lisa hat nicht geklickt, sondern ihn kurzerhand angerufen. Karl wusste von der Nachricht gar nichts, sein Konto war ohne sein Wissen benutzt worden. Ich habe das meinem Enkel Felix erzählt und ihn gefragt, wie so etwas eigentlich passieren kann.
Man stellt sich Betrug im Internet gerne so vor wie einen Einbrecher mit Sonnenbrille und Strumpfmaske, der spätestens beim ersten Satz durch sein schlechtes Deutsch auffliegt. Genauso ist es aber nicht, denn hier schreibt eben keine fremde Nummer mit schlechter Rechtschreibung. Die Nachricht kommt von einem echten Konto, das man kennt, mit dem echten Namen und dem echten Profilbild einer Freundin oder eines Freundes. Nur steckt dahinter manchmal nicht mehr die Person, die man kennt, sondern jemand, der sich in ihr Konto eingeschlichen hat.
Wie sich jemand überhaupt in ein fremdes Konto einschleicht
Mein Enkel Felix kennt sich mit solchen Dingen bestens aus, auch wenn er selbst leider nie Zeit hat, wenn ich ihn mal brauche. Er hat es mir mit einem Bild erklärt, das mir hängen geblieben ist. Ein WhatsApp-Konto ist wie eine Wohnung, zu der eigentlich nur eine Person Zutritt hat, bestätigt durch die eigene Telefonnummer und einen Code, der beim Einrichten einmalig per SMS kommt. Ein klassisches Passwort wie bei einem E-Mail-Konto gibt es dabei nicht. Ich musste dabei gleich an meinen eigenen Schlüsselbund denken, der inzwischen so voll ist, dass ich selbst nicht mehr weiß, welcher Schlüssel wozu gehört. Bei WhatsApp ist das zum Glück übersichtlicher: Man kann, ganz offiziell und gewollt, auch ein zweites Gerät mit demselben Konto verknüpfen, zum Beispiel um WhatsApp zusätzlich am Computer zu nutzen. Genau diesen Mechanismus nutzen die Betrüger aus. Sie bringen ihr Opfer dazu, ihnen quasi selbst Zutritt zur eigenen Wohnung zu verschaffen, ohne dass es das merkt.
Das läuft meistens über einen Link, der harmlos klingt, zum Beispiel zu einer Umfrage, einem Gewinnspiel oder einer Abstimmung. Wer draufklickt, landet auf einer Seite, auf der man einen QR-Code scannen oder eine PIN eingeben soll, angeblich zur Bestätigung. Scannt man diesen Code allerdings mit der eigenen WhatsApp-App, verknüpft man in Wahrheit das eigene Konto mit dem Gerät der Betrüger. Ab diesem Moment können sie mitlesen und in deinem Namen Nachrichten verschicken.
Was danach oft passiert
Sobald die Täter Zugriff haben, warten sie meistens nicht lange. Sie schreiben Kontakte aus der Liste an, oft mit einer erfundenen Notlage: eine überraschende Rechnung, ein technisches Problem beim Online-Banking, ein Kind, das dringend Geld braucht. Wer denkt schon lange nach, wenn ein guter Bekannter angeblich in der Klemme steckt? Genau darauf setzen die Betrüger, und leider mit Erfolg.
Zur Einordnung
Auch eine Nachricht von einem bekannten Kontakt kann von Betrügern stammen, wenn dessen Konto bereits übernommen wurde. Der vertraute Name und das bekannte Profilbild sind also allein kein Beweis dafür, dass wirklich diese Person schreibt.
Was du konkret tun kannst
Am wichtigsten ist, gar nicht erst in die Falle zu tappen. Scanne einen QR-Code nur dann, wenn du selbst gerade bewusst ein Gerät verknüpfen möchtest, zum Beispiel weil du WhatsApp selbst am Computer nutzen willst. Fordert dagegen ein Link oder eine fremde Nachricht dich dazu auf, ist Vorsicht angebracht, egal wie dringend oder harmlos die Aufforderung klingt. Wenn eine bekannte Person plötzlich über WhatsApp um Geld bittet, lohnt sich immer ein kurzer Anruf unter der bekannten Telefonnummer, bevor Geld fließt. Ein kurzes „Ach, das war ich gar nicht" vom Gegenüber ist immer noch angenehmer als hinterher lange Erklärungen abzugeben. Und wer selbst betroffen ist, sollte nicht nur das fremde Gerät entfernen, sondern auch alle Kontakte kurz informieren, damit niemand auf eine Nachricht im eigenen Namen hereinfällt.
Wie man merkt, ob man selbst betroffen ist
Ein erstes Warnzeichen kann sein, dass Freunde oder Familie plötzlich fragen, was man da gerade für merkwürdige Nachrichten verschickt, obwohl man selbst gerade friedlich seinen Kaffee trinkt und von nichts weiß. Auch eine SMS mit einem WhatsApp-Bestätigungscode, die plötzlich ankommt, obwohl man selbst gerade nichts eingerichtet hat, ist ein Warnsignal. In WhatsApp lässt sich unter den drei Punkten oben rechts (beim iPhone unter Einstellungen) der Menüpunkt „Verknüpfte Geräte" finden. Dort steht jederzeit, welche Geräte gerade Zugriff auf das eigene Konto haben. Wer dort ein Gerät entdeckt, das er nicht kennt, sollte es sofort entfernen, das geht mit wenigen Klicks.
„Ein vertrauter Name auf dem Bildschirm ist noch keine Garantie. Im Zweifel lieber einmal zu viel anrufen als einmal zu wenig." – Oma Erla
Erlas Fazit
Karl hat mit Hilfe von Lisa das fremde Gerät entfernt und die Zwei-Schritte-Verifizierung eingerichtet. Sein Konto gehört jetzt wieder ganz ihm allein. Seitdem prüft er angeblich jede Nachricht zweimal, bevor er antwortet, was beim Kegelclub schon für den einen oder anderen Lacher gesorgt hat. Mich hat die Geschichte trotzdem nachdenklich gemacht: So ein Anruf kostet nur zwei Minuten, kann aber einiges verhindern.
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