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Serie: digital unterwegs | Beitrag 7

Der Brunnen, der gerade woanders ist

Illustration einer Frau mit grauer Lockenfrisur und Brille, die ein Smartphone mit einer Karten-App hält – im Hintergrund ein Bagger und ein Bauarbeiter mit Schutzweste

Es stand alles drin.

„Historischer Brunnen, erbaut im 14. Jahrhundert. Eines der schönsten Beispiele mittelalterlicher Steinmetzkunst der Region. Unbedingt anschauen.”

Ich hatte es gelesen, hatte es mir gemerkt, hatte es sogar meiner Freundin Hilde erzählt. „Da gehe ich hin”, hatte ich gesagt. „Das lasse ich mir nicht entgehen.”

Google Maps wusste den Weg. Ich bin ihm gefolgt – durch eine Gasse, um eine Kurve, noch eine Gasse – und dann stand ich davor.

Vor einem Bauzaun.

Orange. Mit Warndreiecken.

Dahinter: Bagger, Sandsäcke, ein Kran und irgendwo in der Mitte, halb eingehüllt in Planen, das, was einmal ein Brunnen gewesen sein muss.

Ich habe einen Moment gestanden und geschaut.

Dann kam ein Bauarbeiter vorbei, der mein Gesicht wohl kannte – das Gesicht von jemandem, der etwas Schönes sucht und einen Bauzaun findet.

„Der Brunnen?”, fragte er.

„Der Brunnen”, sagte ich.

Er nickte verständnisvoll. „Wird restauriert. Kommt wieder. Wird danach schöner als vorher.”

„Wann?”

Er zuckte mit den Schultern. So wie jemand, der es weiß, es aber lieber nicht sagt.

Ich habe noch ein Foto gemacht. Vom Bauzaun. Mit dem kleinen Stück Brunnen, das man noch sehen konnte. Nicht das Bild, das ich mir vorgestellt hatte – aber irgendwie auch nicht schlecht.

Und dann habe ich gesagt, was man in solchen Momenten eben sagt:

„Ich komme wieder.”

Was ich daraus gelernt habe

Google Maps ist wunderbar. Aber Google Maps weiß nicht immer, was gerade los ist. Baustellen, Restaurierungen, Ruhetage, Unwetter: das Leben passiert schneller, als Karten aktualisiert werden.

Seither schaue ich vor einem Ausflug kurz nach, ob es aktuelle Hinweise gibt, z.B. auf der Webseite der Stadt, frage beim Tourismusbüro oder einfach mit einer kurzen Internet-Suche. Dauert zwei Minuten, spart aber manche  Enttäuschung.

Und manchmal fährt man trotzdem hin. Weil man neugierig ist. Oder weil man hofft, dass der Bauarbeiter Recht hat. Und manchmal plant man einen Ausflug trotz schlechter Vorzeichen. Weil man neugierig ist oder weil man einfach hofft, dass die Karte diesmal stimmt.

Oma Erla erklärt, was eine App ist und hält ein Smartphone in der Hand

Oma Erlas Gedanke zum Schluss

Nicht jeder Ausflug wird, wie man ihn sich vorstellt. Aber fast jeder hat etwas, das man mitnimmt. Manchmal ein schönes Erlebnis. Manchmal eine Lektion. Manchmal ein Foto von einem Bauzaun, über das man später lacht.

Und der Brunnen? Der kommt wieder. Und ich auch!

Das war Teil 7 der Serie digital mobil. 👉 In Teil 6 haben wir uns zum Beispiel angeschaut, was du tust, wenn gar kein Netz da ist, wie du dann noch weißt wo du bist. 

Und falls du dich fragst, was du tust, wenn unterwegs gar kein Netz da ist – darum geht es in Beitrag 6. Da erkläre ich, wie du auch ohne Internet weißt, wo du bist. 👉 [Auch ohne Internet weißt du, wo du bist]